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HypZert Zertifizierung

Inhaltsverzeichnis

Die HypZert-Zertifizierung ist das angesehenste und weitverbreitetste Qualitätszertifikat für Immobiliensachverständige im deutschsprachigen Raum. Wer als Sachverständiger eine HypZert-Zertifizierung trägt, hat nachgewiesen, dass er die höchsten fachlichen, methodischen und persönlichen Anforderungen an eine professionelle Immobilienbewertung erfüllt – und wird von Banken, Finanzierungsinstituten, Gerichten und öffentlichen Auftraggebern gleichermaßen als besonders qualifizierte Fachkraft anerkannt. Für Auftraggeber, die ein Verkehrswertgutachten in Auftrag geben, ist die HypZert-Zertifizierung des beauftragten Sachverständigen ein verlässliches Qualitätssignal – und in vielen Fällen sogar eine ausdrückliche Anforderung.

Was ist HypZert?

HypZert ist eine private Zertifizierungsgesellschaft mit Sitz in Berlin, die sich auf die Zertifizierung von Immobiliensachverständigen spezialisiert hat. Die vollständige Firmenbezeichnung lautet HypZert GmbH – Gesellschaft zur Zertifizierung von Immobiliensachverständigen. Sie wurde 1996 von führenden deutschen Hypothekenbanken gegründet, um eine einheitliche, überprüfbare Qualitätssicherung im Bereich der Immobilienbewertung zu etablieren.

Das Zertifizierungsverfahren der HypZert ist dabei keine bloße Mitgliedschaft oder ein Diplom, das durch Kursbesuch erworben wird. Es handelt sich um eine akkreditierte Personenzertifizierung gemäß DIN EN ISO/IEC 17024 – dem internationalen Standard für Zertifizierungsstellen, die Personen zertifizieren. Diese Akkreditierung wurde der HypZert durch die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) erteilt und bescheinigt, dass das HypZert-Verfahren international anerkannten Qualitäts- und Unparteilichkeitskriterien entspricht.

Weitere Informationen zur Organisation und ihren Zertifizierungsprogrammen finden sich direkt auf der Website: www.hypzert.de

Die HypZert-Zertifizierungsprofile

HypZert bietet nicht ein einziges, einheitliches Zertifikat an, sondern differenziert nach Einsatzgebiet und Anforderungsniveau. Derzeit existieren im Wesentlichen drei Zertifizierungsprofile, die sich in ihrer Ausrichtung und ihren Anforderungen unterscheiden.

HypZert (F) – Finanzwirtschaftliche Immobilienbewertung: Dies ist das anspruchsvollste und prestigeträchtigste Zertifikat im HypZert-Portfolio. Es qualifiziert Sachverständige für die Erstellung von Verkehrswert- und Beleihungswertgutachten, die zur Grundlage für Immobilienfinanzierungen, Pfandbriefemissionen und sonstige bankwirtschaftliche Zwecke dienen. Das Kürzel steht für „finanzwirtschaftlich” und signalisiert die besondere Eignung für den anspruchsvollen Bereich der kreditwirtschaftlichen Immobilienbewertung. Dieses Profil ist die Voraussetzung für die Anerkennung als Sachverständiger bei Pfandbrief emittierenden Banken gemäß den Anforderungen des Pfandbriefgesetzes (PfandBG).

HypZert (M) – Immobilienbewertung für Mitteleuropa: Dieses Profil richtet sich an Sachverständige, die vorwiegend in den mitteleuropäischen Märkten – insbesondere Deutschland, Österreich und der Schweiz – tätig sind und ein breites Spektrum an Bewertungsaufgaben abdecken. Es ist weniger auf die spezifischen kreditwirtschaftlichen Anforderungen ausgerichtet als das F-Profil, setzt aber ebenfalls eine umfassende fachliche Qualifikation voraus.

HypZert (S) – Spezialimmobilien: Dieses Profil adressiert besondere Immobilienkategorien wie Hotels, Pflegeheime, Logistikimmobilien oder andere Sondernutzungen, bei denen die Bewertung spezifisches Branchenwissen erfordert, das über die Standardmethodik hinausgeht.

Anforderungen und Zulassungsvoraussetzungen

Der Weg zur HypZert-Zertifizierung ist kein einfacher und setzt erhebliche Vorerfahrung und Qualifikation voraus. Wer das Zertifizierungsverfahren anstrebt, muss zunächst strenge Zulassungsvoraussetzungen erfüllen, die sicherstellen, dass nur wirklich qualifizierte Kandidaten zum eigentlichen Prüfungsverfahren zugelassen werden.

Für das begehrte HypZert (F)-Zertifikat sind unter anderem folgende Voraussetzungen zu erfüllen: ein abgeschlossenes Hochschulstudium in einer relevanten Fachrichtung – etwa Architektur, Bauingenieurwesen, Wirtschaftsingenieurwesen, Immobilienwirtschaft oder einem verwandten Bereich – sowie eine mehrjährige, einschlägige Berufserfahrung in der Immobilienbewertung. Konkret verlangt HypZert in der Regel mindestens drei Jahre nachgewiesene Praxiserfahrungin der Erstellung von Verkehrswertgutachten, ergänzt durch eine Mindestanzahl eigenständig erstellter Gutachten, die im Rahmen des Antragsverfahrens nachzuweisen sind.

Darüber hinaus müssen Kandidaten Referenzgutachten einreichen, die von HypZert inhaltlich und methodisch geprüft werden. Diese Prüfung der Arbeitsproben ist ein wesentliches Element des Zertifizierungsverfahrens, da sie sicherstellt, dass die Kandidaten nicht nur theoretisches Wissen besitzen, sondern dieses auch in der Praxis sachgerecht anwenden können.

Das Prüfungsverfahren

Der Kern der HypZert-Zertifizierung ist ein anspruchsvolles, mehrstufiges Prüfungsverfahren, das schriftliche und mündliche Komponenten umfasst.

Die schriftliche Prüfung deckt das gesamte relevante Fachwissen ab: Wertermittlungsverfahren nach ImmoWertV, Sachwert-, Ertragswert- und Vergleichswertverfahren, Bodenwertermittlung, Beleihungswertermittlung nach der Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV), rechtliche Grundlagen des Immobilienrechts, Grundbuchrecht, Mietrecht, Baurecht sowie immobilienwirtschaftliche Zusammenhänge. Die Anforderungen sind hoch und setzen ein tiefes, praxisnahes Verständnis voraus – bloßes Auswendiglernen von Formeln und Regelwerken reicht nicht.

Die mündliche Prüfung vor einem Gremium erfahrener Fachleute dient dazu, die fachliche Tiefe und die praktische Urteilsfähigkeit der Kandidaten zu überprüfen. Hier werden Fallszenarien diskutiert, methodische Entscheidungen begründet und fachliche Detailfragen beantwortet. Die mündliche Prüfung ist anspruchsvoll und hat auch für gut vorbereitete Kandidaten einen eigenen Schwierigkeitsgrad – sie testet nicht nur Wissen, sondern auch kommunikative Kompetenz und die Fähigkeit, komplexe Sachverhalte verständlich zu erläutern.

Die Bestehensquoten beim HypZert-Prüfungsverfahren sind kein Geheimnis: Ein erheblicher Anteil der Kandidaten scheitert beim ersten Versuch. Das unterstreicht, dass die HypZert-Zertifizierung keine Formsache ist, sondern tatsächlich eine ernsthafte fachliche Hürde darstellt.

Rezertifizierung und Fortbildungspflicht

Eine einmal erworbene HypZert-Zertifizierung ist kein lebenslanges Privileg. Sie ist zeitlich befristet und muss in regelmäßigen Abständen – in der Regel alle fünf Jahre – durch ein Rezertifizierungsverfahren erneuert werden. Dieses Verfahren stellt sicher, dass zertifizierte Sachverständige ihr Wissen kontinuierlich aktuell halten und mit den sich verändernden rechtlichen, methodischen und marktlichen Rahmenbedingungen Schritt halten.

Im Rahmen der Rezertifizierung müssen Sachverständige unter anderem den Nachweis erbringen, dass sie in den vergangenen Jahren eine ausreichende Anzahl von Gutachten eigenständig erstellt haben und ihren Fortbildungsverpflichtungen nachgekommen sind. HypZert erkennt dabei Fortbildungsveranstaltungen verschiedener Anbieter an – darunter Seminare, Fachtagungen und Kongresse, die von anerkannten Bildungsträgern der Immobilienwirtschaft durchgeführt werden.

Diese Fortbildungspflicht ist kein bürokratischer Selbstzweck, sondern hat eine klare inhaltliche Begründung: Die Immobilienbewertung ist ein dynamisches Fachgebiet, in dem sich Gesetze, Verordnungen und Marktgegebenheiten kontinuierlich wandeln. Die Einführung der novellierten ImmoWertV 2021, die Grundsteuerreform 2025, die GEG-Novellen und die laufenden Entwicklungen an den Immobilienmärkten erfordern eine permanente fachliche Weiterentwicklung, die durch die Rezertifizierungsanforderungen von HypZert strukturell verankert ist.

Anerkennung durch Banken und Kreditinstitute

Die herausragende praktische Bedeutung der HypZert-Zertifizierung ergibt sich vor allem aus ihrer Anerkennung durch die Kreditwirtschaft. Deutsche und europäische Banken, Hypothekenbanken, Bausparkassen und andere Finanzierungsinstitute akzeptieren HypZert-zertifizierte Sachverständige als qualifizierte Ersteller von Beleihungswertgutachten – und setzen diese Zertifizierung in vielen Fällen ausdrücklich voraus.

Besondere Bedeutung hat dabei das Pfandbriefgesetz (PfandBG) und die dazugehörige Beleihungswertermittlungsverordnung (BelWertV). Pfandbriefe sind gedeckte Schuldverschreibungen, die von Banken zur Refinanzierung von Hypothekendarlehen ausgegeben werden und zu den sichersten Finanzinstrumenten im deutschen Kapitalmarkt zählen. Um Pfandbriefe begeben zu dürfen, müssen Banken sicherstellen, dass die zugrunde liegenden Immobilienbewertungen von qualifizierten, unabhängigen Sachverständigen erstellt wurden. HypZert (F)-zertifizierte Sachverständige erfüllen diese Qualifikationsanforderungen und sind damit für pfandbriefemittierende Banken die erste Wahl.

Weitere Informationen zu den Anforderungen an Sachverständige im Pfandbriefbereich finden sich beim Verband deutscher Pfandbriefbanken (vdp)www.pfandbrief.de

Europäische und internationale Einbettung

Die HypZert-Zertifizierung ist nicht isoliert zu betrachten, sondern Teil eines europäischen und internationalen Netzwerks der Qualitätssicherung in der Immobilienbewertung.

Auf europäischer Ebene sind die European Valuation Standards (EVS) – herausgegeben von TEGoVA, der europäischen Vereinigung der Immobiliensachverständigen – ein wichtiger Referenzrahmen. TEGoVA ist der Dachverband nationaler Sachverständigenorganisationen aus über 30 europäischen Ländern und verfolgt das Ziel, einheitliche Bewertungsstandards in Europa zu etablieren. Weitere Informationen finden sich unter: www.tegova.org

HypZert ist als anerkannte Zertifizierungsstelle in dieses europäische Netzwerk eingebettet und erfüllt die Anforderungen, die TEGoVA an seine Mitgliedsorganisationen stellt. HypZert-zertifizierte Sachverständige können daher auch den europäischen Titel REV – Recognised European Valuer beantragen, der von TEGoVA verliehen wird und die europäische Anerkennung der Qualifikation unterstreicht.

International orientiert sich HypZert an den International Valuation Standards (IVS), die vom International Valuation Standards Council (IVSC) herausgegeben werden und als globaler Referenzrahmen für professionelle Immobilienbewertung gelten: www.ivsc.org

Abgrenzung zu anderen Sachverständigentiteln

Im deutschen Markt existieren neben der HypZert-Zertifizierung weitere Titel und Qualifikationen für Immobiliensachverständige, die regelmäßig zu Verwirrung führen – und deren Unterschiede für Auftraggeber wichtig zu verstehen sind.

Der Titel „öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger” wird von den Industrie- und Handelskammern (IHK) oder Handwerkskammern verliehen und setzt ebenfalls eine strenge Prüfung voraus. Er hat besondere Bedeutung in gerichtlichen Verfahren, da öffentlich bestellte Sachverständige vom Gericht direkt als Gutachter eingesetzt werden können. Mehr Informationen dazu bietet der Bundesverband öffentlich bestellter und vereidigter sowie qualifizierter Sachverständiger e.V. (BVS)www.bvs-ev.de

Der „zertifizierte Sachverständige” nach DIN EN ISO/IEC 17024 – zu dem die HypZert-Zertifizierung gehört – ist demgegenüber ein privatrechtlicher Titel, der durch eine akkreditierte Zertifizierungsstelle verliehen wird. Er hat in der Kreditwirtschaft besondere Anerkennung, während der öffentlich bestellte Sachverständige in gerichtlichen Verfahren einen formalen Vorrang genießt.

Nicht zu verwechseln sind beide mit bloßen Mitgliedschaftstiteln oder Weiterbildungszertifikaten, die ohne umfassendes Prüfungsverfahren erworben werden können. Solche Titel – etwa einfache Verbandsmitgliedschaften oder Seminarbescheinigungen – begründen keine vergleichbare Qualitätssicherung und sollten von Auftraggebern kritisch hinterfragt werden.

Was die HypZert-Zertifizierung für Auftraggeber bedeutet

Für alle, die ein Immobiliengutachten in Auftrag geben – sei es für eine Finanzierung, eine Erbschaft, eine Scheidung oder den geplanten Verkauf – ist die HypZert-Zertifizierung des beauftragten Sachverständigen ein wichtiges Qualitätskriterium.

Ein HypZert-zertifizierter Sachverständiger hat nachgewiesen, dass er die relevanten Wertermittlungsverfahren beherrscht, die rechtlichen Grundlagen kennt, praktische Erfahrung in der Gutachtenerstellung besitzt und sich kontinuierlich fortbildet. Das Gutachten, das er erstellt, entspricht den anerkannten Regeln der Wertermittlung – es ist methodisch nachvollziehbar, rechtssicher und gerichtsfest.

Für Banken und Finanzierungsinstitute ist die Beauftragung eines HypZert-zertifizierten Sachverständigen in vielen Fällen sogar verpflichtend: Wer eine Immobilie als Kreditsicherheit einsetzen möchte, wird von seiner Bank häufig auf die Notwendigkeit einer Bewertung durch einen HypZert-anerkannten Gutachter hingewiesen – denn nur ein solches Gutachten erfüllt die aufsichtsrechtlichen Anforderungen an die Beleihungswertermittlung.

Fazit

Die HypZert-Zertifizierung ist das Qualitätssiegel der deutschen Immobilienbewertung – anspruchsvoll in der Erlangung, streng in der Aufrechterhaltung und weitreichend in seiner Anerkennung. Sie steht für methodische Kompetenz, praktische Erfahrung und ein institutionell verankertes Qualitätssicherungssystem, das von der Kreditwirtschaft, der Justiz und öffentlichen Auftraggebern gleichermaßen respektiert wird.

Wer als Auftraggeber auf ein HypZert-zertifiziertes Sachverständigenbüro setzt, investiert in ein Gutachten, das höchsten fachlichen Ansprüchen genügt – und damit eine belastbare Grundlage für weitreichende wirtschaftliche und rechtliche Entscheidungen bietet.

Unser Leistungen

Immobilienbewertung Steinlein

Seit 2017 beschäftigen wir zertifizierte Immobiliengutachter für die Bewertung von Immobilien. Unabhängig und neutral erstellen wir Kurzgutachten (Verkehrswert), Verkehrswertgutachten sowie Markt- und Beleihungswertgutachten für finanzwirtschaftliche Zwecke. 

Fachwissen wird regelmäßig durch die HypZert, die nach DIN EN ISO 17024:2012 zertifiziert und bei der Deutschen Akkreditierungsstelle DAkkS gelistet ist, geprüft. Eine Vielzahl an Weiterbildungen im Immobilienbereich garantieren eine hohe Qualität unserer Gutachten.